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Mai
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Reif für die internationale Karriere in China?

Kneifen Sie bloß nicht bei Karaoke

Reif für die internationale Karriere in China?

(NL/7604011805) Hamburg, Mai 2015.
China erlebte in den vergangenen 20 Jahren einen rasanten Wandel. Viele ältere Chinesen, die heute Managementpositionen innehaben oder mittelständische Unternehmen besitzen, mussten am eigenen Leib Armut, Hunger und den staatlichen Terror Maos während der Kulturrevolution erfahren. So ist es nicht verwunderlich, dass im Land des Lächelns die Neigung zu Harmonie allgegenwärtig spürbar ist. In China gelten im Geschäftsleben andere Grundsätze als in Deutschland, um erfolgreich sein zu können.
Die meisten Deutschen, die als Expat für ihre Arbeitgeber in China waren, berichten nach ihrer Rückkehr, dass es sehr wichtig gewesen sei, nicht nur ein paar Wörter Chinesisch oder Mandarin zu sprechen, sondern auch die chinesischen Verhaltensregeln zu kennen und zu respektieren, schildert Dagmar Schneider, Inhaberin des inlingua-Sprachcenters Osnabrück.

Eine gute Vorbereitung ist ein Muss. Und trotzdem wird man viele Sachen und Riten erst verstehen, wenn man sie selbst erlebt. Die Tatsache, dass man nicht sprechen und verstehen, aber insbesondere auch nichts lesen kann, macht den Lernprozess extrem langsam und mühselig, erzählt Joachim Meister, der als Expat mit seiner Familie einige Jahre in China lebte.
Einige der Verhaltensweisen in dem fernöstlichen Land stammen noch aus der dynastischen Zeit, andere sind Überbleibsel aus der maoistischen Zeit. Sein Gesicht zu verlieren, auch nur ansatzweise, gilt als unschicklich. Das Thema loosing face ist zwar grundsätzlich bekannt, aber die potenzielle Dimension wird einem Europäer erst deutlich, wenn er ein paar Mal vom extrem schmalen Grad heruntergefallen ist. Ein Tanz auf Eierschalen erscheint manchmal einfacher, berichtet Joachim Meister. Generell heißt es deshalb in China, sich in viel Geduld zu üben. Schnell etwas zu klären, das ist definitiv die falsche Taktik, ergänzt Dagmar Schneider.

Eine gute Vorbereitung ist ein Muss
Essen spielt eine zentrale Rolle in der chinesischen Kultur. Guanxi (Beziehung) wird deshalb in erster Linie nicht im Büro, sondern im Restaurant aufgebaut, was übersetzt zahlreiche Abendessen mit viel Alkohol meist starkem Schnaps, Bier, Pflaumenwein und Reiswein bedeutet. Das Glas (0,1 l) leeren die Beteiligten üblicherweise auf einen Zug. Wer die Einladung ablehnt oder beim Trinken Nein sagt, verliert sein Gesicht. Und die geschäftlichen Angelegenheiten werden erst nach dem Essen besprochen. Meine Zeit in China war sehr anstrengend, denn nach den Geschäftsessen kam ich immer erst sehr spät und vor allem ziemlich angeheitert, um nicht zu sagen betrunken, nach Hause. Das stellte nicht nur meine Leber, sondern auch die Beziehung zu meiner Frau auf eine harte Probe. Nach dem Essen ging es oft noch in die Karaoke-Bar. Es gehört in China zum guten Ton, dann nicht zu kneifen, erzählt Joachim Meister.
Doch bereits bei der ersten Anbahnung eines Geschäftskontaktes beginnen die zu Deutschland unterschiedlichen Regeln. Pünktlichkeit ist eine der wichtigsten Tugenden in China. Wer es wie die Chinesen macht, ist bereits einige Minuten vor dem Termin vor Ort, rät Dagmar Schneider.
Bei der Begrüßung reichen sich die Beteiligten zwar auch die Hände, allerdings sollte der Händedruck nur sehr schwach sein wir würden ihn als Ineinanderlegen der Hände bezeichnen. Immer mit beiden Händen findet die Übergabe von Visitenkarten statt. Die Karten sollten auf der Vorderseite in Englisch, auf der Rückseite in Chinesisch beschriftet sein. Sich auf der Kartenrückseite Notizen zu machen, gilt bei den Chinesen als absoluter Fauxpas.
Einen ebensolchen Fehltritt begeht, wer seinem Gesprächspartner ins Wort fällt. Das gilt auch für die eigenen Arbeitskollegen. Um eine Verhandlung erfolgreich führen zu können, sollten sich die Delegierten eines Unternehmens deshalb vor dem Gespräch abstimmen, wer welchen Beitrag leisten wird. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass bei den Formulierungen immer ein Verhandlungsspielraum existiert, damit am Ende ein harmonischer Konsens erzielt werden kann. Ein lineares Abarbeiten von Punkten ist in China unüblich. Selbst schon besprochene Fragen können von Chinesen zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen und neu verhandelt werden. Deshalb gilt vor allem eins: Geduld.
Auf Druck, aggressive Verhandlungsführung oder mangelnde Empathie reagieren Geschäftspartner in China äußerst empfindlich. Das Wort Nein wird im Geschäftsalltag als unhöflich empfunden, ebenso wie Das ist schlecht. Bessere Verhandlungschancen ergeben sich mit Sätzen wie Das könnte schwierig werden oder Ich werde es auf jeden Fall versuchen. Ein chinesisches Ja dagegen ist nicht unbedingt mit einem Einverständnis gleichzusetzen, denn es kann auch bedeuten: Ja, ich habe verstanden oder Nein, ich denke darüber nach.
Mit kleinen Aufmerksamkeiten und Geschenken lassen sich im Business in China Pluspunkte sammeln. Wer alles richtig machen möchte, bringt Pralinen, Bonbons, Werbegeschenke des Unternehmens, Füllfederhalter, Kugelschreiber oder alkoholische Spezialitäten seines Landes mit. Am besten eingepackt in gelbes, rotes oder rosafarbiges Papier, denn diese Farben stehen für Fröhlichkeit und Lebensfreude. Aber bitte erwarten Sie nicht, dass die Geschenke vor Ihren Augen ausgepackt werden. Das wäre für einen Chinesen unschicklich. Es wird alles zur Seite gestellt und später ohne Anwesenheit der Gäste ausgepackt gemäß dem Motto: Geduld.

Wissenswertes über China aus Sicht eines Expats
China ist nicht China: Das Land ist so groß und kulturell so vielseitig, dass es kein China gibt. Was wir Deutsche meistens als China verstehen, ist die Han-Kultur (herrschende Kultur). Aber der Süden unterscheidet sich vom Norden so sehr wie der Osten vom Westen. Es gibt muslimische Gegenden, natürlich Tibet, den kantonesischen Süden und viele weitere typisch geprägte Regionen. Selbst im Han-dominierten Osten ist der Unterschied zwischen einer Stadt wie Shanghai und den im Inland gelegenen Regionen und Orten sehr groß.
Die schnelle Wandlung und Umsetzung von geplanten Investitionen ist in China beeindruckend. Das Land besitzt mittlerweile eine der modernsten Infrastrukturen, die durch gezielte Investitionen in Hochgeschwindigkeitsbahn (High Speed Rail), Flughäfen und Häfen entstand.

Das rasante Wachstum von China kann man erst begreifen, wenn man es selber miterlebt: der schnelle Wandel der Städte wie beispielsweise in Schanghai, das Entstehen neuer Städte aus dem Nichts, die Größe von Baustellen mit teilweise mehr als 200.000 Arbeitern. Diese Dimensionen kennen wir aus Europa einfach nicht, berichtet Joachim Meister. Und noch etwas ist ihm aufgefallen: Reichtum hat großes Prestige. Er erlebte China deutlich kapitalistischer als westliche Länder.

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